Schnupfen ist Männergrippe

Schnupfen ist nichts für Anfänger
Leute, ich kann’s euch sagen: Schnupfen ist nichts für Anfänger. Das ist nicht einfach ein bisschen Nase. Das ist ein Zustand. Ein Lebensgefühl. Ein schleichender Abstieg in eine Welt, in der Taschentücher zur Währung werden und jeder Atemzug klingt, als würde man durch einen feuchten Waschlappen pusten.
Es fing harmlos an. So ein kleines Kratzen. So ein „Ach, da kommt was“. Man denkt noch: Wird schon. Ein bisschen Tee, ein bisschen Ruhe, morgen ist es weg. Ist es nicht.
Am nächsten Morgen wache ich auf und merke sofort: Heute wird schwierig. Die Nase zu. Der Kopf schwer. Der Körper fühlt sich an, als hätte ich nachts heimlich einen Umzug gemacht. Nicht mal richtig jammern geht.
Nase dicht.
Kopf matschig.
Würde weg.
Dann kommt der Moment, in dem man sich beweisen will. Kaffee. Kaffee ist Medizin. Kaffee ist Hoffnung. Ich schleiche in die Küche. Ich setze Wasser auf. Ich halte die Tasse. Und merke: Selbst Kaffee trinken wird zur Qual. Weil man dabei atmen muss. Und atmen ist heute nicht mein Ding.
Ich bin krank. Sehr krank. Fast schon historisch krank.
Natürlich kommt dann meine Frau. Sie schaut mich an. So ein Blick, der sagt: Ach du lieber Himmel, da liegt er wieder. Der Mann. Das Drama. Die große Tragödie in Jogginghose.
Frauen haben ein völlig anderes Verhältnis zu Krankheit. Frauen haben Grippe und räumen nebenbei die Spülmaschine aus. Männer haben Schnupfen und schreiben innerlich ihr Testament. Das ist nicht übertrieben. Das ist Biologie. Das ist Evolution. Männergrippe ist real.
Und dann passiert das Unfassbare. Sie sagt: „Der Hund muss raus.“
Ich gucke sie an, als hätte sie gerade vorgeschlagen, ich solle barfuß den Mount Everest hoch. Ich bin blass. Ich bin schwach. Ich bin praktisch schon auf der anderen Seite. Und sie will, dass ich rausgehe. In die Kälte. Mit dem Hund.
Kälte. Hund. Tod.
Sie sagt: „Ich hab schon einen Bestatter angerufen.“
Ich schwöre, sie hat das gesagt, als wäre das eine normale organisatorische Maßnahme. So wie: „Ich hab schon Brot gekauft.“
Bestatter. Wegen Nase. Danke auch.
Ich ziehe mir die Jacke an, als würde ich mich für eine Polarexpedition ausrüsten. Wir gehen raus. Es ist kalt. Der Wind weht genau so, dass er direkt in die Nase geht. Der Hund springt fröhlich durch die Gegend. Ich schleiche hinterher wie ein Mann, der gerade alles gibt.
Zu Hause wird das niemand würdigen. Da heißt es nur: „War doch nur Schnupfen.“ Nur Schnupfen. Das ist wie „nur ein kleiner Weltuntergang“.
Schnupfen ist Männergrippe, fertig.
Schnupfen ist wirklich Mist. Nicht wegen der Nase, sondern wegen der Erkenntnis, dass man im eigenen Haushalt offenbar nicht Patient ist…
sondern Unterhaltungsprogramm.
Ja, echt jetzt – den Spruch kennt ihr doch, von unseren Frauen, oder?
Is so, kenn ich von mir auch. So ne heftige Erkältung bringt mich an den Rand des Wahnsinns. Aber was soll’s, jeder hat so sein Ding, oder? Nervt, is aber irgendwie okay.
Was noch mehr nervt? Ja, klar gibt’s das….du willst was klären, dann hängst 30 Minuten in der Hotline rum, und hörst dir die blöde Musik an.
