Rente – ich dachte, das wird entspannter

Rente? Jetzt wird im Homeoffice gearbeitet
Leute, mal unter uns. Ich hab mir das ehrlich gesagt anders vorgestellt.
Rente. Das Wort klingt doch fantastisch. Kein Wecker mehr. Kein Stress mehr. Kein Montagmorgen-Gesicht. Work-Life-Balance. Füße hoch. Kaffee trinken. Den Tag genießen. Vielleicht mal ein Buch lesen. Ein bisschen spazieren gehen. Man muss ja schließlich auch was für Körper und Geist tun.
So ungefähr sah mein Plan aus. Ein einfacher Plan. Keine großen Ziele. Keine großen Projekte. Einfach nur: Rente.
Rente – und dann kam die Realität
Etwa ein halbes Jahr vor Rentenbeginn fing es an. Erst ganz langsam. Dann immer öfter. Ich wache nachts auf. Schweißgebadet. So wie in einem schlechten Horrorfilm. Nur dass kein Monster im Zimmer steht. Sondern meine Zukunft.
Der Plan meiner Frau
Denn während ich dachte: „Endlich Ruhe.“ Hat meine Frau offenbar gedacht: „Jetzt geht’s los.“
So richtig. Mit Planung. Mit Konzept. Mit Struktur. Frauen sind da ja gründlich. Wenn sie etwas planen, dann richtig. Nicht so halb. Nicht so ungefähr. Nein. Dann gibt es eine Liste.
Die Liste
Diese Liste ist nicht klein. Das ist kein Zettel. Das ist ein Dokument. Ein Projekt. Ich glaube, das Ding hat mehrere Kapitel. Und überall steht mein Name dahinter.
Arbeitsleben – Teil 2
Ich dachte ja, Rente bedeutet: Nicht mehr arbeiten. Meine Frau versteht unter Rente offenbar etwas ganz anderes. Für sie bedeutet Rente: Arbeitsleben Teil 2. Nur ohne Gehalt. Ohne Urlaub. Ohne Beförderung. Und ohne Personalabteilung, bei der man sich beschweren kann.
„Jetzt hast du ja Zeit.“ – Dieser Satz fällt erstaunlich oft.
Der neue Job
Der Job ist übrigens Vollzeit. Mindestens. Halbtags gibt es nicht. Minijob auch nicht. Nein. Das ist ein Fulltime-Modell. Mit flexiblen Arbeitszeiten. Sehr flexibel. Also immer.
Die Aufgaben
Die Aufgaben sind auch schon klar. Garten. Keller. Garage. Haus. Alles, was jahrelang irgendwo liegen geblieben ist.
Der große Irrtum
Ich hatte wirklich gedacht, Rente bedeutet Freiheit. Ausschlafen. Entspannen. Vielleicht mal nichts tun. Das war mein Plan.
Der Plan meiner Frau sieht ungefähr so aus: Renovieren. Reparieren. Aufräumen. Optimieren. Und zwischendurch sagt sie: „Du wolltest doch immer beschäftigt sein.“
Die Erkenntnis
Inzwischen verstehe ich langsam etwas Entscheidendes. Rente bedeutet nicht, dass man aufhört zu arbeiten. Man wechselt nur den Arbeitgeber. Früher hatte ich einen Chef. Heute habe ich… meine Frau.
Der Unterschied ist eigentlich gar nicht so groß. Nur die Bezahlung ist gleich geblieben. Null Euro.
Aber ganz ehrlich, mal unter uns… ich mach das ja gerne. Wirklich. Man hilft ja, wo man kann. Und irgendwo muss man ja auch hin mit der ganzen freien Zeit.
Ich bin gar nicht in Rente gegangen.
Ich wurde einfach nur… ins Homeoffice versetzt.
Die Welt dreht sich immer weiter… aber manchmal in die verkehrte Richtung, jedenfalls fühlt sich das so an….
