Job – Wir sind eine Familie

Abschied vom Job – und was ich gelernt habe

„Job – Wir sind eine Familie“ IST KEIN KOMPLIMENT

Leute, ich kann’s euch sagen: Wenn im Büro jemand diesen Satz sagt, dann ist das kein Teamgefühl. Das ist ein Alarmsignal. „Wir sind hier wie eine Familie.“

Klingt erstmal warm. Fast nett. Und dann denkt man zwei Sekunden länger. Familie? Im Büro? Das ist ungefähr so, als würde dir jemand beim Zahnarzt sagen: „Keine Sorge, ich hab das auch schon mal bei YouTube gesehen.“ Man weiß: Das wird wehtun.

Mehr Arbeit.
Mehr Stress.
Mehr „Kannst du kurz noch…?“

Plötzlich ist man emotional eingebunden. Familie eben. Und Familie bedeutet im Büro meistens: Grenzen sind jetzt ein bisschen unhöflich. Das Lustige ist ja: Familien sind nicht automatisch schön. Da gibt’s den Kollegen, der seit 2008 dieselbe Datei bewacht wie einen Schatz. Oder den „Teamplayer“, der eigentlich meint: Mach du mal.

Kaum ist der Familiensatz gefallen, kommt direkt die nächste Nummer: „Da hilft man sich doch.“ Das klingt nett. Bedeutet aber übersetzt: Du machst das jetzt.

Freitag.
18:47.
Ende.

Wenn du dann sagst: „Ich hab eigentlich Feierabend“, kommt er wieder, dieser Satz. Das ist emotionale Geiselhaft mit Kantinenessen. Wenn alles klappt, heißt es: Super Teamleistung. Wenn was schiefgeht, wird gefragt: Wer war das?

„Wir sind flexibel“ = Feierabend vergessen.
„Wir geben alles“ = Mehr als bezahlt wird.

Dieses Familien-Gerede ist oft einfach eine hübsche Verpackung für: Bitte sei loyal. Bitte sei verfügbar. Bitte frag nicht nach Überstunden. Denn Familie macht man nicht nach Vertrag.

Und dann das Sommerfest. Lauwarme Bratwurst. Plastikbecher. Der Chef lächelt stolz: „Na siehst du, wir sind doch wie eine Familie.“

Ein Arbeitsplatz ist keine Familie. Kollegen sind keine Geschwister. Und ein Chef ist nicht Papa. Zum Glück.

„Wir sind hier wie eine Familie.“ Stimmt. Man kann nicht einfach gehen, ohne dass jemand beleidigt ist.

Is manchmal so – nicht immer! Ich hab dieses rumgeiere schon erlebt. Leider. 

Besonders auch, dass sich der Chef gerne als Kumpel gibt, wenn’s drauf ankommt, nix mehr Kumpel.

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