Heizung kaputt – Der Heizungsgott macht Kurzarbeit

Heizung tot. Bude kalt. Rudi ratlos.
Leute, ich kann’s euch sagen: Handwerker-Termine sind nichts für schwache Nerven. Das ist nicht einfach nur Warten. Das ist ein Zustand. Ein psychologisches Experiment, bei dem man am Ende immer verliert.
Es fing harmlos an. Es war kalt draußen. So richtig. Man sitzt auf der Couch und denkt noch: „Na, zieht’s irgendwo?“ Blick aufs Thermometer: 18 Grad in der Bude. Tendenz fallend.
Ich lauf in den Keller. Normalerweise brummt die Heizung da unten wie ein startender Hubschrauber in Grönland. Aber diesmal: nix. Absolute Stille. Totenstille. Ich geh gucken – die Kiste ist komplett aus.
Man denkt ja immer noch: Wird schon. Rudi macht das wieder. Ich habe zehn Minuten lang hochprofessionell hier geguckt, da gedrückt, weise genickt. Nix. Kein Mucks.
Heizung ist tot. Die Bude ist kalt. Und was selten vorkommt: Rudi ist ratlos.
Okay, aber kein Problem, der Fachmann muss her. Ich greife zum Telefon. Am anderen Ende die Dame vom Dienst. Ich erkläre mein Drama, dass ich hier gleich als Eiszapfen von der Decke hänge. Und was kommt?
Heizung reparieren – Heute geht nix mehr
Ich dachte, ich hör nicht richtig. Ich sag: „Sach mal… ich frier mir hier gerade alles ab!“
Ihre Antwort: „Nee, heute nicht mehr. Morgen… ähhhh so ab 9 Uhr.“
Wie jetzt?! Ich soll jetzt also bis morgen im Eisschrank hausen? Eine Nacht im eigenen Wohnzimmer campieren wie am Nordpol? „Johhh“, meint sie ganz trocken, „ist halt so.“ Mich hauts komplett um.
Aber das war noch gar nicht der Höhepunkt. Ich stelle mich mental schon auf die Frost-Nacht ein, da schiebt die Dame hinterher: „Äääähhh moment… kann auch später werden. So bis 15 Uhr.“
Ja wie jetzt?! Von 9 bis 15 Uhr?! Das ist kein Termin, das ist ein halbes Leben! Sechs Stunden Zeitfenster. Was glauben die eigentlich, was ich mache? Habe ich im Lotto gewonnen und mein neues Hobby ist „Hardcore-Warten in der Arktis“?
Ich sag: „Das kann doch nicht sein!“
Sie meint nur: „Doch. Is so.“
Das ist Service in Deutschland. Du nimmst dir extra einen Tag Urlaub, hockst mit drei dicken Decken auf der Couch und wartest und wartest. Als ob man im Leben nix Besseres zu tun hätte, als den ganzen Tag den Babysitter für die kalte Bude zu spielen.
Handwerker-Termine sind wirklich Mist. Nicht wegen dem Fehler an der Maschine, sondern wegen der Erkenntnis, dass man für die Firma offenbar kein Kunde ist… sondern ein zeitloses Geduldspiel.
Ja, echt jetzt – den Spruch kennt ihr doch von diesen Hotlines, oder?
Is so, kenn ich von mir jetzt auch. So ein Sechs-Stunden-Fenster bringt mich an den Rand des Wahnsinns. Aber was soll’s, morgen wird wieder geheizt. Hoffentlich.
Am Ende ist das eigentlich das Verrückteste an der ganzen Geschichte: Nicht die kaputte Heizung. Die kann kaputtgehen. Technik eben. Aber dass ein Termin zwischen 9 und 15 Uhr heutzutage völlig normal sein soll. Sechs Stunden. In sechs Stunden kann man nach Mallorca fliegen, wieder zurückkommen und am Flughafen noch einen überteuerten Kaffee trinken. Der Handwerker dagegen hat in der Zeit offiziell noch nicht mal Verspätung.
Ist doch so. Früher haben die Menschen auf Sonnenfinsternisse gewartet, heute auf Handwerker. Der Unterschied: Bei der Sonnenfinsternis weiß man wenigstens ziemlich genau, wann sie stattfindet.
Ich werde morgen jedenfalls pünktlich um 8:55 Uhr bereit sitzen. Und dann beginnt wieder Deutschlands beliebtester Extremsport: Zuhause bleiben und hoffen, dass irgendwann jemand klingelt.
Und jetzt das Verrückte: Irgendwann ertappt man sich dabei, wie man sehnsüchtig aus dem Fenster schaut. Nicht nach der großen Liebe. Nach einem Handwerker.
Aber egal – jetzt trink ich erst mal einen Kaffee. Oder lenk mich ab und ärger mich über die Leute, die immer nur rumlästern.
