Rücksichtslosigkeit im Alltag – Ellenbogen raus und durch

Ellenbogen raus und durch – Warum werden wir eigentlich immer rücksichtsloser?

Rücksichtslosigkeit – Ellenbogen zuerst, Gehirn später

Leute, ganz ehrlich… manchmal hab ich das Gefühl, wir sind alle ein bisschen durchgedreht. Egal ob auf der Straße, im Büro oder im Supermarkt. Überall Ellenbogen. Echt jetzt – diese Ich-zuerst-Mentalität. Da nimmt dir einer im letzten Moment die Vorfahrt, als hätte er gerade einen lebenswichtigen Organtransport an Bord. Im Büro steht einer auf, sieht den Papierstau im Drucker und denkt sich: „Spannend. Das wird den Nächsten interessieren.“ Und der Chef kommt fünf Minuten vor Feierabend um die Ecke und sagt diesen Satz, den jeder Arbeitnehmer fürchtet: „Eine kleine Sache hätte ich noch…“ Eine kleine Sache.

Eine kleine Sache hätte ich noch …

Leute, immer wenn ein Chef „eine kleine Sache“ sagt, kannst du den Feierabend innerlich beerdigen. Das ist ungefähr so glaubwürdig wie „Wir müssen nur kurz reden“ oder „Der Zahnarzt merkt davon nichts.“

Ich glaube, viele Menschen merken gar nicht mehr, wie rücksichtslos sie geworden sind. Handy piept. Mail kommt rein. Nächster Termin. Noch eine Nachricht. Noch ein Anruf. Wir laufen inzwischen durch den Alltag wie Hamster auf Koffein. Immer schneller. Immer hektischer. Und wer nur noch rennt, guckt irgendwann nicht mehr nach links und rechts. Nur noch auf sich.

Höflichkeit? War das nicht mal ein Trend?

Früher war das irgendwie anders. Da hat man beim Bäcker noch gequatscht. Der Postbote kannte die Leute in seiner Straße. Heute läuft man durchs Treppenhaus, sagt freundlich „Hallo“ und bekommt einen Blick zurück, als hätte man gerade nach der PIN fürs Online-Banking gefragt. Manchmal denke ich, wir entwickeln uns gesellschaftlich zurück. Früher lebten Menschen in Dörfern. Heute leben sie wieder in Höhlen. Die Höhle heißt nur jetzt WLAN.

Hupen, Drängeln, Weltuntergang

Besonders faszinierend finde ich Autofahrer. Kaum sitzt ein Mensch hinterm Lenkrad, verwandelt er sich innerhalb von drei Sekunden in eine Mischung aus Formel-1-Fahrer, Staatsanwalt und beleidigtem Kleinkind. Da wird gehupt, gedrängelt und gestikuliert. Einer fährt drei km/h zu langsam und plötzlich benehmen sich Erwachsene, als wäre die komplette Weltwirtschaft zusammengebrochen. Wahrscheinlich würde derselbe Typ dir im Supermarkt freundlich die letzte Packung Butter reichen. Aber im Auto? Da wird aus Dieter von nebenan plötzlich Max Verstappen auf Bewährung.

Der tägliche Kampf ums eigene Ego

Und im Internet wird es komplett verrückt. Da schreiben Menschen Dinge, die sie im echten Leben niemals sagen würden. Manche kommentieren Beiträge mit einer Aggressivität, als hätte der Verfasser persönlich ihren Dackel beleidigt. Ich stelle mir manchmal vor, wie diese Leute zu Hause sitzen. Wahrscheinlich mit Jogginghose, Käsebrot und einer Tasse Kaffee. Aber im Netz benehmen sie sich wie mittelalterliche Kriegsherren kurz vor der Belagerung einer Festung.

Im Job wird das Ganze noch belohnt. Da gibt es Menschen, die haben ihre Karriere darauf aufgebaut, fremde Leistungen als eigene zu verkaufen. Solange es gut läuft, heißt es: „Wir sind ein Team.“ Sobald etwas schiefläuft, wird aus dem Team plötzlich eine Fahndung. Irgendwo muss ein Schuldiger sein. Und komischerweise ist es nie der Chef. Das ist ohnehin faszinierend. Wenn ein Projekt erfolgreich ist, war es die geniale Führung. Wenn es scheitert, lag es plötzlich an den Mitarbeitern. Diese Logik muss man auch erst mal hinbekommen.

Und dann wundern wir uns, warum alle gereizt sind. Warum keiner mehr Geduld hat. Warum jeder nur noch an sich denkt. Ganz ehrlich: Manchmal glaube ich, Rücksicht ist heute wie ein Blinker bei einer Ober-Klasse-Karre. Theoretisch vorhanden, praktisch aber nur noch selten in Benutzung.

Trotzdem glaube ich nicht, dass die Menschen schlechter geworden sind. Die meisten sind wahrscheinlich einfach müde. Gestresst. Genervt. Irgendwo zwischen Arbeit, Rechnungen, Nachrichten und dem täglichen Wahnsinn verloren gegangen. Aber manchmal reicht schon eine Kleinigkeit. Jemand hält dir die Tür auf. Einer lässt dich an der Kasse vor. Einer hupt nicht sofort nach 0,3 Sekunden Grünphase.

Und genau deshalb gebe ich die Hoffnung noch nicht auf. Denn wenn wirklich alle nur noch an sich denken würden, dann wäre diese Welt längst komplett im Eimer.

Andererseits…

Wenn ich morgen wieder im Supermarkt den Typen treffe, der mit seinem Einkaufswagen quer im Gang steht, während er zehn Minuten lang die Inhaltsstoffe von Bio-Kichererbsen studiert, kann es auch sein, dass ich diesen Artikel noch mal überdenken muss.

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