Die lebende Biotonne – wenn Essen übrig ist

Die lebende Biotonne – wenn Essen übrig ist

Vom Menschen zur lebenden Biotonne

Neulich saß ich nach dem Abendessen völlig zufrieden auf meinem Stuhl. Kennt ihr dieses Gefühl? Man hat genau die richtige Menge gegessen. Nicht zu viel. Nicht zu wenig. Der Magen sagt: Perfekt. Feierabend.

Dann hörte ich hinter mir diesen Satz: „Kannst du noch den Rest aufessen? Wir müssen ja nix wegwerfen, oder?“

Leute, ich schwöre euch: Kein Mensch fragt das jemals den Dünnsten am Tisch. Vor mir landete ein Teller mit drei Kroketten, einem halben Schnitzel und einer Portion Gemüse, die offenbar schon von mehreren Generationen ignoriert worden war.

„Das wäre doch schade zum Wegwerfen.“ Ja. Natürlich wäre das schade.

Aber warum ist die einzige Alternative immer mein Magen? Ich habe inzwischen den Verdacht, dass ich kein Mensch mehr bin. Ich bin die Notfalllösung für Lebensmittel. So ne Art lebende Biotonne.

Mensch als Biotonne – Mission Lebensmittelrettung

Alles, was niemand mehr essen will, landet irgendwann bei mir.

Zu viel gekocht? Rudi. Pizza vom Vorabend? Rudi. Joghurt läuft morgen ab? Rudi.

Irgendwas in einer Tupperdose, dessen ursprüngliche Farbe niemand mehr kennt? Ganz klar: Rudi.

Ich bin keine Person. Ich bin die letzte Station vor der Mülltonne. Das Problem ist: Sobald man diesen Ruf einmal weg hat, kommt man da nie wieder raus. Die Leute verlassen sich auf einen.

Da wird grundsätzlich mehr gekocht, als eigentlich nötig wäre.

„Mach ruhig etwas mehr. Falls was übrig bleibt, dann….“ Falls. Dieses „Falls“ ist ungefähr so glaubwürdig wie „Ich bin gleich fertig“ oder „Das dauert nur fünf Minuten“. Natürlich bleibt immer etwas übrig.

Und natürlich weiß jeder schon vorher, wo das Zeug am Ende landet. Bei mir.

Manchmal habe ich sogar das Gefühl, manche Menschen hören absichtlich früher auf zu essen.

Da wird plötzlich mitten im Schnitzel das Besteck hingelegt.

„Puh, ich bin satt.“ Ach tatsächlich? Vor fünf Minuten hast du noch erzählt, dass du verhungerst.

Jetzt liegen da noch vier Kroketten, zwei Stücke Fleisch und eine halbe Portion Gemüse auf dem Teller – und auf einmal ist Schluss?

Komischer Zufall. Dann kommt dieser Blick. Der Blick eines Menschen, der eine Aufgabe erfolgreich an jemand anderen delegieren möchte. Und schon wandert der Teller in meine Richtung.

Irgendwann wird das zur Erwartungshaltung. Wenn ich mal ablehne, schauen mich die Leute an, als hätte ich gerade vorgeschlagen, den Familienhund zu grillen. „Was? Du willst das nicht mehr essen?“ Nein! Ich habe bereits zwei Portionen verdrückt!

Mein Magen klingt beim Treppensteigen wie eine Waschmaschine im Schleudergang.

Aber das interessiert niemanden. Die Lebensmittel müssen schließlich gerettet werden.

Neulich wurde es besonders absurd. Da stand noch ein einzelnes Stück Pizza in der Küche.

Niemand wollte es essen. Den ganzen Abend nicht. Drei Stunden lang lag dieses Ding völlig unbeachtet auf der Arbeitsplatte.

Als ich ins Bett gehen wollte, hörte ich plötzlich: „Moment! Die Pizza ist noch da!“ Da wusste ich sofort: Jetzt bin wieder ich gemeint.

Leute, ich bin mittlerweile überzeugt, dass ich irgendwann sterbe und auf meinem Grabstein stehen wird:

Hier ruht Rudi. Er hat gegessen, damit nix in der Biotonne landet.

Und während alle traurig um mein Grab stehen, wird wahrscheinlich irgendwo jemand auf die halb aufgegessene Beerdigungstorte zeigen und sagen:

„Das wäre doch schade zum Wegwerfen … Wäre der Rudi noch da, dann…“

Okay, ich leb ja noch. Zum Glück. Aber echt jetzt – wir brauchen wirklich mehr Verstand im Umgang mit den Lebensmitteln. Die Wegwerf-Mentalität hat zugenommen, is definitiv keine Lösung.

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